GESUNDHEITSKOMPASS NR. 2 · Mai 2026 | GEDANKEN ÜBER DAS LEBEN
Warum Empathie im Gespräch so entscheidend ist
Wenn ein Gespräch kippt, fühlen sich oft beide Seiten missverstanden.
Ein Beispiel aus dem Alltag zeigt, warum fehlendes Verständnis Konflikte verschärft – und was dann helfen kann
Liebe Leserinnen und Leser,
„Das ist ja dann wohl Ihr Problem!“ Kennen Sie diesen Satz? Vermutlich. Immer dann, wenn mir jemand „Das ist ja dann wohl Ihr Problem“ sagt, fühle ich mich alles andere als verstanden oder ernst genommen. Ganz im Gegenteil: Es bleibt ein ungutes Gefühl zurück – und genau das ist es, was ich in einer solchen Situation am wenigsten brauche.
Lassen Sie mich von einer Begebenheit erzählen, die das verdeutlicht. Ich war in einer Arztpraxis und machte den Fehler, ein Schreiben falsch zu deuten. Der Inhalt war mir zwar mündlich erklärt worden, allerdings in verschiedenen Gesprächen und über unterschiedliche Kanäle hinweg. Das führte dazu, dass ich meine eigenen Schlüsse zog und mit einer Vorstellung der Lage in den Tag ging, die leider nicht ganz der Realität entsprach.
Die Mitarbeiter der Praxis, in ihrem eigenen „Workflow“ vertieft, gingen davon aus, dass alle relevanten Informationen an mich übermittelt und von mir auch verstanden worden waren. Doch das war leider nicht so. Ich hatte mir eine eigene, bequeme „Wirklichkeit“ erschaffen, die dann jedoch abrupt durch ein Telefonat verändert wurde – und das war alles andere als angenehm.
Als ich versuchte, das Missverständnis zu erklären und um Verständnis für die entstandene Situation bat, kam die Antwort: „Das ist ja wohl Ihr Problem.“ Und ja, aus sachlicher Perspektive war das sogar korrekt. Doch was half mir diese Feststellung? Sie beruhigte weder meine Nerven noch vermittelte sie mir das Gefühl, dass mein Anliegen überhaupt gehört wurde. Ganz im Gegenteil, und ich versuchte wiederholt, Klarheit zu bekommen – leider zunächst vergeblich.
WAS KÖNNTE HIER ALSO SCHIEFGELAUFEN SEIN?
Vielleicht war mein Gegenüber einfach genervt. Vielleicht ging sie von ganz anderen Voraussetzungen aus und konnte meinen Standpunkt nicht nachvollziehen. In ihrem Verständnis war alles korrekt, und ich hatte eben „mein Problem“. Sie verteidigte ihre Sichtweise, war aber nicht bereit, sich auf meine Perspektive einzulassen.
Sobald jemand in den Verteidigungsmodus geht, ist es nahezu unmöglich, eine Erklärung anzubringen oder um Verständnis zu werben. Denn sobald dieser Abwehrmechanismus aktiviert ist, wird der andere einfach nicht mehr gehört. Beide Seiten sind gestresst und fühlen sich missverstanden. In der Kommunikationspsychologie spricht man hier vom sogenannten „Teufelskreis“.
Die wahre Kunst der Kommunikation liegt darin, diesen Kreis zu durchbrechen.
Es braucht nur einen Moment des Innehaltens und den Mut, auf die Perspektive des anderen einzugehen.
Ein einfaches „Ich kann gut nachvollziehen, wie Sie sich fühlen“ oder „Jetzt verstehe ich, dass das für Sie nicht leicht war“ kann eine Situation schnell entschärfen. Solche Sätze signalisieren Empathie und öffnen den Raum für Annäherung, statt die Fronten weiter zu verhärten.
Plötzlich merkt die andere Person, dass sich etwas verändert hat – dass das Gespräch nicht mehr im Kampfmodus verläuft, sondern auf einer Ebene des gegenseitigen Verständnisses.
Und genau in diesem Moment kann konstruktive Kommunikation entstehen. Das macht das Miteinander leichter.



