Die Zeit rast und ich mittendrin

von | 28. Oktober 2019

Fast täglich denke ich an die schnell vergehende Zeit. Jetzt ist schon wieder ein Tag vorbei, dabei wollte ich doch noch so viel erledigen. Im Grunde bin ich stolz darauf, dass ich heute so viel geschafft habe. Während der Fahrt zu Arbeit habe ich mir schon Strategien für die kommenden Aufgaben überlegt und meine Schwester angerufen. Fast im Autopilotmodus bin ich an der Arbeit angekommen und habe mich fast sofort mit den wartenden Dokumenten und Mails beschäftigt. Mein Frühstück nehme ich mir seit Monaten mit zur Arbeit und esse während ich meine Mails durchlese. Dass ich satt bin nehme ich kaum wahr.

Mittags gehe ich eine Runde spazieren und denke daran, wie schnell doch der Vormittag vergangen ist und schweife automatisch zu den nachfolgenden Terminen. Als sich gegen siebzehn Uhr der Feierabend meldet, merke ich wie so oft, dass der Tag davon geflogen ist. Jetzt noch sinnvoll den späten Nachmittag gestalten, so dass ich meine Freizeit nutze. Am Abend will ich dann zufrieden ins Bett gehen weil mein Zeitmanagement heute optimal läuft.

Nachdenklich werde ich dann doch noch. Fühle ich die Zeit noch? Schwupps, dann ist die Woche vorbei, das ersehnte Wochenende ist gefühlt nach 2 Stunden wieder vorbei und auf geht’s in die neue Woche. Mittlerweile ist die vierte Jahreszeit angebrochen und ich weiß nicht genau wie das bisherige Jahr so schnell vergehen konnte. Die Zeit fliegt dahin –lässt sie sich anhalten?

Ja, das ist möglich. Ich kann die Zeit intensiver genießen. Wenn ich zum Beispiel in einer Warteschlange im Supermarkt stehe, nur noch daran denke endlich zu bezahlen  und mich darüber ärgere wie lange es dauert, dann kann ich mich darauf konzentrieren was in meiner unmittelbaren Umgebung passiert und wahrnehmen welche Personen da sind. Wie ist das Verhalten der einzelnen Menschen um mich herum. Welche Unterhaltungen finden statt? Ich kann mich dem Moment widmen anstatt schon einen Schritt weiter zu sein, denn das ist typisch für den wahrgenommenen Zeitverlust. Ich bin dem Moment immer einen Schritt voraus.

Die Psychologin Claudia Hammond beschreibt das Zeitgefühl und unseren Umgang damit in ihrem Buch „Tick Tack“ und sagt: „Je weniger Zeit wir zu haben glauben, desto schneller vergeht sie“. Wir packen in die vorhandene Zeit immer mehr Aktionen, weil wir denken, dass wir so unser Zeitmanagement optimieren. Genau anders ist es, was uns in die Lage bringt, die Zeit intensiver zu empfinden und so die Zeit anzuhalten. Außerdem ist es für das Wohlbefinden und die Stressreduzierung sinnvoller am Tag Dinge zu tun, die uns Spaß machen  und wir uns darauf konzentrieren.  Das Innehalten im Augenblick ist ein Teil aus der Theorie der Achtsamkeit, die unsere Psyche positiv beinflusst und Wohlbefinden erzeugen kann.

Wir können schöne Erlebnisse neu bewerten und im Alltag sichtbar machen, in dem wir uns auf das ausrichten war gerade passiert. Wir wäre es denn, bei der nächsten alltäglichen Fahrt zur Arbeit oder zum Einkaufen ohne Radio oder andere Medien zu fahren und unser Umfeld beobachten und wirken lassen. Ich probiere dies immer wieder aus und merke wie entspannend und bewusstseinsvoll es ist.

Eine andere Art und Weise die gefühlte Zeit auszudehnen können wir durch neue Erlebnisse und den Ausbruch aus Gewohnheiten erleben. Einfach mit dem Fahrrad zum Einkaufen fahren oder sich mit anderen Menschen engagieren. Neue Wege ausprobieren und der Spontanität Raum geben ist ein wirkungsvolles Mittel gegen die rasende Zeit wenn wir uns hinterher Muße nehmen über das Erlebte nachzudenken.

Wenn ich mich das nächste Mal erwische, dass ich bei den gewohnten Dingen im Alltag meinen Autopilot angeschaltet habe, dann ändere ich meine Perspektive auf meine Aufmerksamkeit im Moment und genieße was passiert.

Auch online erschienen als Kolumne in der Siegener Zeitung (bitte auf das Bild klicken):

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